Kennen Sie das? Auf dem Weg zum Kaffeeautomaten ein schnelles Update und zwei Stunden später brodelt die Gerüchteküche. Diese kleinen Gespräche zwischen Tür und Angel sind nicht nur harmloses Geplauder. Sie haben leider auch ihre Tücken. Und wenn wir sie nicht bewusst steuern, können sie der Unternehmenskultur schaden.
Flurfunk und stille Post
Tür- und Angelgespräche sind ein großartiges Mittel, um schnell eine Information loszuwerden: Eigentlich hat man gerade gar keine Zeit, aber plötzlich fällt einem ein, dass man noch etwas weitergeben wollte. Eine einfache und unkomplizierte Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren. Allerdings nicht ganz ohne Gefahren.
Erinnern Sie sich noch an das Spiel Stille Post, bei dem die erste Person in der Schlange irgendein Wort in das Ohr der nächsten flüstert? Am Ende lacht man sich dann schlapp über das, was dabei herausgekommen ist.
So ähnlich können auch Tür- und Angelgespräche enden. Dabei eignen sie sich wunderbar für kleine, informelle Abstimmungen. Ein kurzes Update, ein spontaner Austausch, weil gerade wenig Zeit ist.
Das Blöde ist nur, dass dabei, genau wie bei Stille Post, am Ende etwas völlig Falsches herauskommen kann. Besonders dann, wenn die Informationen mehrere Menschen im Unternehmen betreffen. Also nicht nur die Person, der man etwas erzählt hat, sondern beispielsweise auch das restliche Team. Und schon entstehen Gerüchte und Flurfunk.
Dann wird aus „Wir müssen das Projekt verschieben“ plötzlich „Das Projekt wird gestrichen“ oder aus „Porsche finde ich ja toll“ wird „Die Chefin will sich einen Porsche kaufen“.
Sie verstehen, was ich meine.
Warum Tür- und Angelgespräche so problematisch sein können
Warum sind diese Flurgespräche, diese Tür- und Angelgespräche eigentlich so problematisch?
Ganz ehrlich, im Grunde wissen wir es ja. Uns fällt gerade etwas ein, das wir unbedingt noch sagen wollten. Wir haben nichts zum Schreiben dabei und unser Gegenüber meistens auch nicht.
Also müssen wir uns auf unsere Köpfe verlassen, auf unsere Erinnerung. Wir gehen zurück in unsere Büros, unterwegs passiert wieder irgendetwas, das nächste Gespräch findet statt und schwupps, ist die eigentlich wichtige Information verloren gegangen.
Hinzu kommt, dass bei solchen schnellen Gesprächen der Zusammenhang leicht verloren geht oder sogar ganz fehlt.
Die Information wird dann so verstanden, wie unser Gegenüber sie interpretiert. Das ist leider eine der Tücken der Kommunikation. Denn das, was jemand versteht, muss nicht unbedingt das sein, was gesagt wurde. Geschweige denn das, was eigentlich gemeint war. Und so werden Informationen auf ihrem Weg durch das Unternehmen immer weiter verzerrt.
Außerdem fehlt häufig die Verbindlichkeit. Wer sich später auf ein „Du hast doch gesagt“ beruft, steht oft ohne Beweis da.
Und genau daraus entsteht dann die bekannte Gerüchteküche.
Was Flurfunk für die Unternehmenskultur bedeutet
Aus einer Information werden fünf verschiedene Versionen. Im Team entsteht Verunsicherung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen irgendwann nicht mehr, woran sie eigentlich sind.
Das wiederum ist eine hohe Belastung für Sie als Unternehmerin, Unternehmer oder Führungskraft. Denn Sie müssen nachsteuern, Missverständnisse ausräumen und vor allem das Vertrauen reparieren oder wieder aufbauen.
Je häufiger solche Gespräche stattfinden und je mehr Missverständnisse dadurch entstehen, desto stärker wirkt sich das auf das Miteinander im Unternehmen aus. Auf die Unternehmenskultur, die Stimmung im Team und letztlich auf das gesamte Arbeitsklima. Misstrauen und Frust sind dabei nur zwei mögliche Folgen.
Ein weiterer Punkt ist der enorme Zeitverlust. Sie müssen Dinge erneut erklären, Nachfragen beantworten, Rückversicherungen geben oder selbst einholen.
Und unterschätzen Sie nicht, wie sehr es Sie persönlich belastet, wenn Sie ständig nacharbeiten und Missverständnisse ausräumen müssen.
Schließlich merken wir ja, wenn irgendetwas mit der Stimmung im Team nicht stimmt. Vielleicht können Sie die Ursache aber längst nicht mehr einordnen, weil das betreffende Gespräch schon drei Wochen zurückliegt und Sie sich gar nicht mehr erinnern, was Sie damals genau gesagt haben.
Müssen wir auf Tür- und Angelgespräche verzichten?
Wie können Sie das Ganze nun auflösen?
Sie müssen keineswegs vollständig auf Tür- und Angelgespräche verzichten. Sie sind wunderbar geeignet, um mit dem Team in Verbindung zu bleiben oder informelle, eher banale Dinge weiterzugeben und zu besprechen.
Natürlich können Sie auch über Privates reden. Am Kaffeeautomaten, in der Kantine, bei der Zigarette draußen oder wo auch immer.
Wirklich wichtige, unternehmensbezogene Informationen sollten Sie sich allerdings für Besprechungen oder die schriftliche Kommunikation aufheben. So lassen sich Missverständnisse vermeiden und Sie haben etwas, worauf Sie sich später beziehen können.
Und genau das sollten Sie auch Ihrem Team vorleben.
Auch Ihre Mitarbeitenden sollten wichtige Informationen nicht einfach zwischen Tür und Angel weitergeben. Denn wenn erst einmal Missverständnisse entstanden sind, kann sich daraus eine ziemlich seltsame Stimmung entwickeln.
Ich habe das leider oft genug in Unternehmen erlebt. Da herrschte eine merkwürdige Atmosphäre und irgendwann stellte sich heraus, dass die Ursache schlicht darin lag, dass Menschen aneinander vorbeigeredet hatten. Der eine hatte etwas falsch verstanden, es dem Nächsten weitererzählt und am Ende hatten alle einen völlig unterschiedlichen Informationsstand.
Und das ist so unnötig.
Wichtige Informationen gehören in die Besprechung oder in die schriftliche Kommunikation
Ich rate Ihnen deshalb sehr dazu, wichtige Informationen zu sammeln und für eine Besprechung aufzuheben, an der das gesamte Team oder zumindest alle Betroffenen teilnehmen. Halten Sie die Informationen schriftlich fest, entweder direkt in der Besprechung oder beispielsweise in einer E-Mail.
Der große Vorteil einer Besprechung liegt darin, dass Sie Raum für Klärung schaffen. Gerade bei etwas tiefgreifenderen Themen können Sie Rückfragen beantworten und den Zusammenhang besser erläutern.
Und auch hier möchte ich noch einmal betonen, weil es so wichtig ist: Sie müssen dafür kein riesengroßes Meeting einberufen.
Ein kurzes Mini-Update reicht häufig völlig aus. Wichtig ist nur, dass Sie die Informationen anschließend noch einmal schriftlich zusammenfassen oder bereits während der Besprechung festhalten lassen. Damit haben alle eine gemeinsame Grundlage, auf die sie später zurückgreifen können.



